Schutzgebiete der Bayerischen Botanischen Gesellschaft
| Auszüge aus dem Artikel
"Hundert Jahre Bayerische Botanische Gesellschaft" von W. Lippert, Gröbenzell, veröffentlicht in: Berichte der
Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der heimischen Flora, Band 61, Jubiläumsband zum 100-jährigen
Bestehen der Gesellschaft, München 1990, S. 27-52.
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Schutzgebiete und Naturschutz
- Geschichtlicher Überblick -
Schon in einer Mitteilung vom 8. Februar 1891 beklagte die Vorstandschaft "die unvernünftige Verwüstung und
Ausrottung der Flora, besonders in der Nähe größerer Städte, durch Marktweiber und
Sonntagsausflügler" und stellt die Notwendigkeit in Aussicht, "sehr bald dagegen anzugehen".
Die Frage des Pflanzenschutzes verschwand nicht mehr aus der Diskussion. "Aber erst im Jahre 1903, als Professor Dr. F.
Vollmann 1. Vorsitzender war und in dem Mitglied Gottfried Eigner, Kgl. Polizeirat in München, einen eifrigen Verfechter
dieser Sache fand, kam die Angelegenheit so richtig in Fluß" (SCHINNERL 1940). So wurde den Mitgliedern ans Herz gelegt,
alle ihnen bekannten Naturdenkmäler pflanzlicher Art, so z.B. Vegetationstypen (Heiden, Moore), seltene Pflanzen,
interessante Bäume und Baumbestände und dergleichen mehr zu verzeichnen und der Vorstandschaft mitzuteilen, besonders
aber solche, die in ihrem Fortbestand gefährdet waren - und das schon im Jahre 1903!
Daß diese Tätigkeit der Gesellschaft nötig war, zeigen die Ausführungen SCHINNERLs (1940): "Auch der
bayerische Staat ging anfangs dieses Jahrhunderts daran, den immer vordringlicher gewordenen Schutz wichtiger
Naturdenkmäler und der durch die fortschreitende Kultur bedrohten Pflanzen gesetzlich zu regeln. Aber diese Regelung war
wenig wirksam; denn die mit dem Vollzuge betrauten Stellen kannten die geschützten Pflanzen nicht, und Kultur und Handel
verlangten den Vortritt. Kenner der Verhältnisse sahen das voraus und sahen den besten Naturschutz darin, bedrohte
Pflanzenstandorte durch Erwerb des Eigentums dem Verkehr zu entziehen. Nach diesem Grundsatz verfuhr auch Professor Dr.
Vollmann, der beste Kenner der bayerischen Flora."
Schon seit 1905 erschienen in den "Mitteilungen" der Gesellschaft unter dem Titel "Pflanzenschutz" Aufsätze und
Berichte über die von der Gesellschaft ergriffenen Maßnahmen und die Pflanzenschutzbestrebungen in Bayern
überhaupt.
Logische Fortsetzung dieser Bestrebungen war die Gründung eines Schutzgebietes in der Nähe der Landeshauptstadt.
1907 wurde von der Vorstandschaft auf die Bedeutung des noch erhaltenen Teils der Garchinger Haide hingewiesen und eine
Geldsammlung angeregt. Die Spenderliste ist eindrucksvoll: Königin Marie Therese, Prinzessin Therese, der Landtag, der
Landrat von Oberbayern, die Städte München und Freising, die Münchner Banken, andere Gesellschaften,
Großindustrielle und Mitglieder. Durch diese vielseitige Unterstützung konnten in den Jahren 1908-1914 insgesamt
22,8 ha zum Preis von 14.760,- Mark erworben werden. Damit dieses Schutzgebiet und etwa später noch zu erwerbende Gebiete
für alle Zeiten gesichert seien, wurde bei der Änderung der Satzung im Jahre 1909 mit dem Ziel "Grundstücke zu
erwerben, deren Pflanzenwelt aus Gründen des Naturschutzes oder der Florengeschichte erhalten bleiben soll" der Zusatz
aufgenommen: "Im Fall der Auflösung sind die im Eigentum der Gesellschaft befindlichen Naturschutzgebiete dem bayerischen
Staat zum Zweck der Erhaltung im bisherigen Zustand zu übertragen."
Die Garchinger Haide, früher auch Prinzregent-Luitpold-Heide genannt, für die aus finanziellen Gründen 1959
der letzte Zukauf getätigt werden konnte, ist heute das Juwel unter den in Gesellschaftsbesitz befindlichen
Schutzgebieten.
Wie gut würde sich die Angelegenheit heute darstellen, wenn die Absichten Vollmanns ganz in die Wirklichkeit
hätten umgesetzt werden können, wofür wieder SCHINNERL (1940) zitiert sei: "... Dr. Vollmann versuchte zu
retten, was zu retten war, und es wäre damals viel, sehr viel zu retten gewesen. Er wollte mehrere hundert Hektar als
dauerndes Naturschutzgebiet in das Eigentum der Bayerischen Botanischen Gesellschaft bringen. Seiner unermüdlichen
Werbearbeit gelang es, von Mitgliedern des Kgl. Hauses und durch Beiträge der Vereinsmitglieder, ... durch Verkauf von
durch Künstlerhand entworfenen Siegelmarken und durch staatliche Zuschüsse, die er der Förderung der damaligen
Prinzessin Ludwig und späteren Königin Therese verdankte, einen Vermögensstock zusammenzubringen. In der Zeit
von 1908 bis 1914 erwarb er in der Gemeindeflur Eching einen zusammenhängenden Besitz von 22,813 ha um die
Summe von 14.760,30 RM für die Bayerische Botanische Gesellschaft zu Eigentum. Aber der Ausbruch des Weltkrieges und das
Ableben Vollmanns im Jahre 1917 brachte die Ausführung seiner idealen Pläne zum Stillstand.
Die politischen Wirren der Nachkriegszeit ließen an eine Wiederaufnahme nicht denken, und, was das Schlimmste war, der
für diese Zwecke angesammelte Vermögensstock ging durch den Währungsverfall bis auf einen kläglichen Rest
verloren."
Glücklicherweise ist mittlerweile auch auf amtlicher Seite der überregionale Wert des Schutzgebietes anerkannt,
und es sind Bestrebungen im Gange, die Garchinger Haide in ein Biotopverbundsystem einzubeziehen, die es wahrscheinlich werden
lassen, daß dieses herrliche Gebiet auch noch im kommenden Jahrtausend [1990 geschrieben] bestehen wird.
Seit ihren Anfängen ist die Gesellschaft mit Gutachten für den Naturschutz tätig, wobei schon seit Beginn
immer betont wurde, daß es sich beim Pflanzenschutz nicht nur um den Erhalt bemerkenswerter Einzelerscheinungen handelt,
sondern daß immer seltener werdende Vegetationstypen mit ursprünglicher Pflanzenwelt vor dem Untergang gerettet
werden sollen. Der Schutz von Lebensräumen sollte Vorrang haben.
Die Erfolge schon der ersten Zeit bis 1915 sind erstaunlich. Es muß einer eigenen Untersuchung vorbehalten bleiben,
den langfristigen Erfolg aller damaligen Maßnahmen und die Einhaltung damals gegebener Zusicherungen zu
überprüfen. Immerhin sind folgende Gebiete im wesentlichen auf Betreiben der Bayerischen Botanischen Gesellschaft
unter Schutz gestellt worden:
- Der Paterzeller Eibenwald, Moore des Böhmerwaldes (Arbersee-Moor, Moor bei Riedlhütte, am Spitzberg, am Lusen
usw.), Höllbachgespreng am Großen Falkenstein, Waldbestände im Böhmerwald - alle 1912.
- Bärensee bei Niederaschau (Cramer-Klett) 1913.
- Brandenberger Moos bei Bernried (von Maffei, Dall'Armi 1914).
Zum Teil beruhen (oder beruhten?) diese Schutzgebiete auf Vereinbarungen der Bayerischen Botanischen Gesellschaft mit
Privatpersonen. Später erreichte sie große Erfolge im Naturschutz in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen (vgl.
unten).
- Grundstücke in Gesellschaftsbesitz -
Im Jubiläumsjahr [1990] besitzt die Bayerische Botanische Gesellschaft vier Grundstücke:
- Die Garchinger Haide als nach wie vor bedeutendstes Gebiet, eines der ältesten Schutzgebiete Bayerns, mit einer
Fläche von derzeit 25,6 ha. Die Haide ist wegen ihres Reichtums an selten gewordenen und schönen Pflanzen sowie wegen
ihrer floren- und kulturgeschichtlichen Bedeutung weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. In seinem Arteninventar
ist das Gebiet noch weitgehend intakt, obwohl sich Klagen über die Beeinträchtigung durch die Landwirtschaft - z.B.
Pflügen über die Gebietsgrenzen herein - wie ein roter Faden durch die Protokolle der Mitgliederversammlungen zieht.
Darüber hinaus läßt sich in jüngerer Zeit leider vor allem im Westen des Gebietes eine zunehmende
Eutrophierung feststellen, die vor allem durch eingewehten Dünger verursacht sein dürfte. Die Haide war früher
an die Landwirte der Umgebung verpachtet, die alle zwei Jahre im Herbst die Fläche zur Streugewinnung mähen durften.
Seit geraumer Zeit wird diese Mahd alle zwei Jahre mit finanzieller Unterstützung durch die Naturschutzbehörden von
beauftragten Firmen durchgeführt. Seit kurzem wird auf Anregung von zoologischer Seite hin jährlich die Hälfte
der Fläche gemäht, um den Tier-Populationen ein besseres Überdauern zu ermöglichen. Heute wächst der
Druck auf das Naturschutzgebiet - im Einzugsbereich der Großstadt München gelegen - ständig weiter an. Immer
noch zunehmende Besucherscharen, das Spazierenführen von Hunden, Motocrossfahren und Reiten beeinträchtigen die
Garchinger Haide mehr und mehr, so daß die Bayerische Botanische Gesellschaft mit ungeduldiger Hoffnung auf die
Neufassung der Schutzgebietsverordnung wartet, die vielleicht Grundlage für weitere Maßnahmen zur Sicherung der
einzigartigen Garchinger Haide sein kann. Seit 1989 läuft ein Projekt des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz
"Sicherung und Verbesserung der Heideflächen im Norden von München", das im Umkreis des Schutzgebietes
schon erste Erfolge aufzuweisen hat. Es läßt hoffen, daß trotz zunehmenden Druckes auf die Fläche durch
Freizeit- und Erholungsbetrieb die Garchinger Haide langfristig erhalten werden kann. Über die Garchinger Haide erschien
1989 ein von der Gemeinde Eching herausgegebenes Buch, das alle biologischen und kulturgeschichtlichen Kenntnisse anschaulich
darstellt.
Naturschutzgebiet Garchinger Heide (Photo Jörg Pfadenhauer);
Großes Bild
- Den Lochhauser Sandberg im Gemeindegebiet von Gröbenzell (seit 1943), mit einer Fläche von derzeit knapp 4.000
qm, Flächenhaftes Naturdenkmal, das den letzten Rest von Vegetation auf Almkalk im Dachauer Moos enthält (vgl. BRAUN
1974). Für den Ausbau der S-Bahn mußte die Gesellschaft 1974 eine Teilfläche an die Deutsche Bundesbahn
abtreten und erhielt im Tausch dafür eine Fläche bei Neukissing (s.u.). Das Naturdenkmal wird jährlich von
Arbeitern der Gemeinde Gröbenzell gemäht; Dr. W. Braun untersucht dort Dauerbeobachtungsflächen. Da der
Lochhauser Sandberg im Gewerbegebiet der Gemeinde Gröbenzell liegt, mußte er in einem bis in die letzte Instanz
erfolgreich durchgestandenen Rechtsstreit gegen die Gefährdung durch ein geplantes Transportbetonwerk gesichert werden
Lochhauser Sandberg (Photo Wolfgang Braun); Großes Bild
- Das Flächenhafte Naturdenkmal Kissinger Bahngruben bei Augsburg (seit 1974) mit einer Fläche von rund 7 ha, das
sehr bemerkenswerte Reste der Vegetation der Lechheiden beherbergt (vgl. HIEMEYER 1975). Die erste Teilfläche von 3.540 qm
dieses Naturdenkmals erhielt die Gesellschaft 1974 von der Deutschen Bundesbahn im Tausch gegen eine Teilfläche des
Lochhauser Sandbergs. 1978 gelang es, noch rund 4.200 qm zuzukaufen, wobei die Gesellschaft mit einem Zuschuß von DM
16.800,- vom Freistaat Bayern unterstützt wurde. Die Kissinger Bahngruben werden in dankenswerter Weise vom Arbeitskreis
Heimische Orchideen betreut und in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz regelmäßig gemäht.
Informationstafel in der Kissinger Heide bei Augsburg (Photo Wolfgang Braun);
Großes Bild
- Die Schaiffelewiese am Westufer des Staffelsees (seit 1960), die bei einer Fläche von 1,2 ha für 2.600,- DM
gekauft werden konnte und ein abwechslungsreiches Bild verschiedener Moorgesellschaften zeigt; sie steht bedauerlicherweise
nicht unter Naturschutz, ist deshalb besonders starker Belastung durch Erholungsnutzung ausgesetzt, und kann vermutlich nur
durch die seit rund 20 Jahren ausstehende Ausweisung des westlichen Staffelseegebietes als Naturschutzgebiet dauerhaft
gesichert werden.
Schaiffelewiese am Staffelsee (Photo Wolfgang Braun); Großes Bild
Entsprechend einem Entschluß der Mitgliederversammlung verzichtet die Gesellschaft darauf, weitere Gebiete zu erwerben
- denn jedes Schutzgebiet erfordert Pflege und Betreuung. Falls irgend möglich, sollen die bestehenden Gebiete durch
Zukauf abgerundet und vergrößert werden. Die Bayerische Botanische Gesellschaft, die nach ihrer Satzung ja noch
andere - gleichrangige - Schwerpunkte hat, könnte durch Ankauf weiterer Gebiete leicht überfordert sein. Sie ist
jedoch bereit, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten andere Vereinigungen beim Ankauf naturschutzwürdiger
Flächen zu unterstützen, soweit deren Pflege gewährleistet ist.
Es gibt ja heute genügend andere Organisationen, die sich ganz besonders der Pflege bedrohter Lebensräume
annehmen, wie z.B. den Arbeitskreis Heimische Orchideen, den Landesbund für Vogelschutz, den Bund Naturschutz oder den
Verein zum Schutz der Bergwelt, mit denen zusammenzuarbeiten für die Bayerische Botanische Gesellschaft Tradition ist.
- Zusammenarbeit mit anderen Vereinigungen -
Früher wie auch heute noch ging die Initiative zum Schutz der Natur vor allem von Vereinen und Gesellschaften aus, die
damals wie heute eng zusammenarbeiten (vgl. auch BRESINSKY 1986). Die Mitgliedschaft besonders aktiver Persönlichkeiten
bei verschiedenen Vereinigungen war keine Ausnahme.
Der Bamberger Apotheker Carl Schmolz, Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, erkannte schon frühzeitig die
Notwendigkeit des Schutzes der alpinen Pflanzenwelt. Auf sein Drängen hin erfolgte 1900 die Gründung des Vereins zum
Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen mit Sitz in Bamberg, heute unter dem Namen "Verein zum Schutz der Bergwelt" mit Sitz
in München weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Die Bayerische Botanische Gesellschaft und der Verein zum
Schutz der Alpenpflanzen zusammen erwirkten in
Bayern zahlreiche Pflanzenschutzbestimmungen und die Sicherung von Schutzgebieten. 1910 erfolgte auf Betreiben der
Gesellschaften, besonders vertreten durch Prof. Dr. Karl Freiherr von Tubeuf, die Gründung des sogenannten
Pflanzenschonbezirkes in den Berchtesgadener Alpen, aus dem in mehreren Schritten 1978 der heutige Nationalpark entstand. 1913
wurde unter Beteiligung von Mitgliedern der verschiedenen Gesellschaften und Vereine der Bund Naturschutz in Bayern
gegründet, dessen erster Vorsitzender Prof. Dr. Karl von Tubeuf war, auch er Mitglied der Bayerischen Botanischen
Gesellschaft.
Die Bayerische Botanische Gesellschaft und der Verein zum Schutz der Alpenpflanzen förderten ganz besonders die weitere
Durchforschung Bayerns in botanischer Hinsicht, die schon im vorigen Jahrhundert vom bayerischen Königshaus angeordnet
worden war. Ein besonderes Anliegen war dabei die Erforschung des Schutzgebietes in den Berchtesgadener Alpen, über deren
Ergebnisse immer wieder publiziert wurde. Der heutige Nationalpark Berchtesgaden bietet damit ein Beispiel für die
Erforschung von Schutzgebieten, die bei den anderen Naturschutzgebieten in den bayerischen Alpen in dieser Form noch aussteht.
Maßgeblich waren die beiden Vereinigungen auch an der Errichtung der Naturschutzgebiete im Karwendel (1924) und in den
Ammergauer Alpen (1926) beteiligt.
Die Bayerische Botanische Gesellschaft weiß sich zum Schutz der heimischen Flora aufgerufen, dem sie sich von Anfang
ihres Bestehens an verpflichtet gefühlt hat. Sie hält das Bewußtsein wach, daß gerade in unserem
schönen Land mit seinen harmonisch in die Landschaft eingefügten Kulturzeugnissen die Notwendigkeit zur Nutzung der
Naturgüter nicht mit dem vermeintlichen Recht auf deren Verschwendung verwechselt werden darf.
Die Bayerische Botanische Gesellschaft ist durch ihre nun schon über 100 Jahre fortlaufenden Studien am Bestand von
Pflanzenarten und Vegetationseinheiten Bayerns in besonderer Weise dazu autorisiert, auf eine Entwicklung hinzuweisen, die seit
den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts [19. Jhdt.] erschreckende Ausmaße angenommen hat. Diese Entwicklung wird
vom rücksichts- und kompromißlos zu nennenden Nutzungsanspruch des Menschen gegenüber seiner Umwelt bestimmt,
und sie hat zu einer weitgehenden Verwüstung von Lebensmöglichkeiten vieler Wildpflanzen geführt. Auch die heute
zunehmend betonte Erholungsfunktion der Landschaft gefährdet die Naturschutzgebiete wie auch alle natürlichen oder
naturnahen Vegetationsreste.
Neben der Tätigkeit im Naturschutz (die für ehrenamtliche Mitarbeiter nicht mehr zu steigern ist) liegt das
Schwergewicht der Arbeit unserer Gesellschaft auch weiterhin auf Erforschung und Dokumentation der heimischen Vegetation, ihrer
Veränderungen und ihrer Gefährdung, im Wissen darum, daß die wissenschaftliche Dokumentation der
Veränderungen in der heimischen Flora die beste - weil unanfechtbare - Hilfestellung bei Naturschutzbestrebungen ist.
- Erhaltungskultur -
In den letzten Jahren hat die Bayerische Botanische Gesellschaft - in dringenden Notfällen - Maßnahmen zur
Erhaltungskultur akut vom Aussterben bedrohter Pflanzenarten Bayerns eingeleitet, was sich nur dank des stets guten
Verhältnisses zum Botanischen Garten München bewerkstelligen ließ. Ziel dieser Maßnahmen ist es, mit
Samenmaterial der in der Natur noch vorhandenen Restbestände oder letzten Einzelpflanzen Jungpflanzen heranzuziehen und
diese möglichst bald wieder zur Kräftigung der Population auszubringen oder eventuell an früher vorhandenen
Wuchsorten damit neue Populationen zu begründen.
Auf diese Weise gelang es, den Bestand von Euphorbia villosa bei Hals - gerade noch rechtzeitig - vor dem völligen
Erlöschen zu bewahren, ebenso den stark zusammengeschmolzenen Bestand des Augsburger Greiskrautes zu stärken (eine
endemische Unterart von Tephroseris integrifolia, vormals Senecio).
Es sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, daß solche Maßnahmen nur durch anerkannte botanische
Institutionen unter wissenschaftlicher Kontrolle durchgeführt werden dürfen; dies ist kein Spielfeld für
Hobbygärtner.
Ebenso ausdrücklich muß betont werden, daß die sogenannte Erhaltungskultur wirklich nur
die letzte aller Möglichkeiten darstellt und daß der Erhalt der Lebensräume absoluten Vorrang haben muß.
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