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Herbarium

Das umfangreiche Herbar der Gesellschaft ist durch vertragliche Regelung Bestandteil des Herbars der Botanischen Staatssammlung München. Genaue Angaben über die Größe der BBG-eigenen Aufsammlungen existieren nicht, jedoch dürften es weit mehr als 200.000 Belege sein.

Die Anlage eines Herbariums wurde gleich nach der Gründung der Gesellschaft begonnen und zügig weitergeführt. Auf den Herbaretiketten war neben dem Namen des Fundes auch der genaue Fundort und Standort zu notieren, nach Möglichkeit mit geologischer Unterlage und Höhenangabe, dazu Datum des Sammelns und der Name des Sammlers. Bei einem Vorgehen nach diesem Schema ist jede so dem Herbar eingereihte Pflanze ein pflanzengeographisches Dokument von bleibender Bedeutung, worin ja heute ganz wesentlich der Wert eines Herbars liegt. Herbarien sind für Systematiker und Geobotaniker unverzichtbare Hilfen bei ihrer Arbeit. Das erhaltene Herbar der Bayerischen Botanischen Gesellschaft ist außerdem eine willkommene Quelle für den Nachweis alter Vorkommen von Arten und für die Dokumentation des Verschwindens zahlreicher Arten, die heute als ausgestorben oder verschollen auf der Roten Liste für Bayern stehen. Arbeiten über die Flora Bayerns sind heute ohne die alten Belege aus dem Herbar der Bayerischen Botanischen Gesellschaft nicht mehr sinnvoll durchführbar.

Das Erstellen eines ursprünglich geplanten Norm-Herbars wurde schon 1893 als Ziel gestrichen, zum einen aus Platzmangel, zum anderen, weil die Regensburgische Botanische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Bayerischen Botanischen Gesellschaft ein solches Exsikkatenwerk herausgab.

Die Bestände waren zunächst recht behelfsmäßig untergebracht - mit Stolz wird berichtet, dass sie ab 1913 in acht großen, staubsicheren Schränken untergebracht wurden. Allerdings schaudert man heute, wenn man liest, womit die Bestände vor Insektenfraß gesichert wurden: "… nach gründlichster Behandlung mit Schwefelkohlenstoff … wurden in den Schränken der Vorsicht halber noch mit geschmolzenem Naphtalin getränkte Filzpappetafeln befestigt und Blechkapseln mit Dichlorbenzol gegeben." Hier hat sich glücklicherweise die Herbartechnik inzwischen so weiterentwickelt, dass auf derartige Mittel verzichtet werden kann.

Die von VOLLMANN (1915) zum Ausdruck gebrachte Hoffnung auf eine angemessene Unterbringung des Herbars im geplanten Pettenkoferhaus hat sich durch die ungünstigen Umstände nicht erfüllt. Dafür wurden dann die Bestände des Gesellschaftsherbars 1932 - ebenso wie später die Bibliothek - auf Grund des nachstehend abgedruckten Vertrages der Bayerischen Akademie der Wissenschaften überlassen und dem Staatsherbar angegliedert.

Vertrag über das Gesellschaftsherbar

Nachstehend geben wir den Vertrag der Gesellschaft mit der Bayer. Akademie der Wissenschaften über die Herbarien der Gesellschaft bekannt. Der Vertrag über die Gesellschaftsbücherei ist in Bd. IV Nr. 14 der "Mitteilungen" auf S. 242 veröffentlicht (Berichte Band 22, 1937).

Vertrag

  1. Die Bayerische Botanische Gesellschaft e.V. überlässt der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ihr Herbarium, ebenso die ihr gehörigen Herbarien Vollmann und Fuchs, zu Besitz und Eigentum unter folgenden Bedingungen: Die Bestände dieser drei Herbarien können in das Staatsherbar eingereiht werden, sie müssen dann aber mit Stempel "Herbarium der Bayerischen Botanischen Gesellschaft" versehen sein. Die Bestände des Herbariums Vollmann müssen als solche gekennzeichnet werden. Dubletten und sehr schlechte Exemplare dürfen aus dem Herbar der Bayerischen Botanischen Gesellschaft ausgeschieden werden, dagegen ist das Herbar Vollmann ganz einzureihen. Die ausgeschiedenen Dubletten verbleiben im Eigentum der Gesellschaft zum Verteilen an ihre Mitglieder. Nicht als Dubletten zu betrachten sind Pflanzen, die von verschiedenen Fundorten Bayerns und benachbarter Gebiete aufgelegt sind. Solche sollen ins Herbar eingereiht werden. Die "Flora exsiccata bavarica" steht der Gesellschaft zu ihrer freien Verfügung, darf also nicht in das Staatsherbar eingereiht werden.
  2. Die Mitglieder der Bayerischen Botanischen Gesellschaft haben das Recht, das Staatsherbarium einzusehen und für wissenschaftliche Arbeiten zu benutzen; es gelten hierfür die für die Benützung des Staatsherbars allgemein gültigen Bestimmungen.
  3. Die vorhandenen, der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zu eigen gehörigen vier Herbarschränke werden der Akademie der Wissenschaften bis auf weiteres leihweise überlassen.
  4. Dieser Vertrag wird von den vertretungsberechtigten Organen der Vertragspartner in Doppelurkunden unterzeichnet.

München, den 25. April 1932

Der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Karl v. Goebel
Der Direktor des Staatsherbars, Dr. v. Wettstein

Die Bayerische Botanische Gesellschaft
1. Vorsitzender Dr. v. Schoenau
2. Vorsitzender Gerstlauer


Diese Übernahme des Herbars durch staatliche Stellen bedeutete eine wesentliche Erleichterung für die Gesellschaft, die zuvor stets eigene Konservatoren für die Betreuung ernannt hatte (natürlich wie alle anderen Angehörigen der Gesellschaft stets ehrenamtlich tätig). Außerdem war auf diese Weise das Herbar jederzeit für Interessierte zugänglich und konnte bei überregionalen Bearbeitungen von Pflanzengruppen mit berücksichtigt werden.

Über die Zahl der Bogen, die auf diese Weise in die Obhut der Botanischen Staatssammlung gelangten, liegen keine genauen Angaben vor, ebenso herrscht keine völlige Klarheit über die Zugehörigkeit einzelner kleinerer oder größerer Herbarien zum Gesellschaftsherbar (vgl. SCHINNERL, 1940; HERTEL & SCHREIBER 1988). Nach Schätzung der beim Umlagern Beteiligten dürften es etwa 200.000 - 250.000 Bogen sein.

Das Herbar umfasst u.a. folgende wertvolle Exsikkatenwerke (nach VOLLMANN 1915 und SCHINNERL 1940):

Darüber hinaus sind im Gesellschaftsherbar zahlreiche Herbarien enthalten, die der Gesellschaft von den Eigentümern oder deren Erben gestiftet wurden, z.B. die Herbarien von:

Dazu kamen zahlreiche kleinere Zugänge von verschiedensten Stiftern, worüber jeweils die in den "Mitteilungen" veröffentlichten Vereinsnachrichten und VOLLMANN (1915: XXVI - XXVIII) berichten, so z.B. von:

Die von SCHINNERL (1940: 24) erwähnte Fotosammlung scheint zumindest zum Teil in den Wirren des letzten Krieges verschollen zu sein.

Auszüge aus dem Artikel „Hundert Jahre Bayerische Botanische Gesellschaft“ von W. Lippert, Gröbenzell, veröffentlicht in: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der heimischen Flora, Band 61, Jubiläumsband zum 100-jährigen Bestehen der Gesellschaft, München 1990, S. 27 – 52.