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Mitgliederbewegung

Der erste Aufruf zum Beitritt hatte einen erfreulichen Erfolg. Waren schon bei der Gründung [1890] der Gesellschaft 80 Mitglieder registriert (WEISS 1890), so waren es nach der im Februar herausgegebenen ersten Mitgliederliste schon 90 und Ende des Jahres 136 ordentliche Mitglieder, darunter auch der „Botanische Verein Landshut“ und der „Botanische Verein Nürnberg“, die heute – mit geändertem Namen – älteste Mitglieder der Gesellschaft sind. Einen so rasanten Anstieg der Mitgliederzahl innerhalb so kurzer Zeit konnte die Gesellschaft nur selten wieder verzeichnen. Dennoch nahm die Zahl der Mitglieder ständig zu, von den zwei Weltkriegen und ihren Folgeerscheinungen abgesehen. Im Jahr 1915 hatte die Gesellschaft 357 Mitglieder, 1948 waren 500 Mitglieder erreicht und heute [1990] gehören der Gesellschaft 874 Mitglieder an.

Vielleicht hätte die Gesellschaft nicht innerhalb kurzer Zeit so große Bedeutung und solchen Einfluss in Bayern erlangt, wenn sie sich nicht der Unterstützung von Prinzessin Ludwig – der späteren Königin Marie Therese – hätte erfreuen können, die selbst botanisch interessiert war und Mitglied der Gesellschaft wurde. In regelmäßigen Abständen hatte die Vorstandschaft Gelegenheit, bei Ihrer Königlichen Hoheit vorzusprechen und Probleme zur Sprache zu bringen.

Heute hat die Gesellschaft keine so einflussreichen Mitglieder mehr in ihren Reihen, Interesse an der Natur hat anscheinend nicht mehr denselben Stellenwert wie in früheren Zeiten.

Dass die Mitgliederzahl beständig stieg und noch immer zunimmt, hat sicher auch seinen Grund darin, dass zweimal jährlich ein umfangreiches Angebot von Vorträgen und Exkursionen vorgelegt wird – nicht nur für Mitglieder, sondern für alle Interessierten. Damit übernimmt die Gesellschaft auf dem Gebiet der Botanik eine Bildungsfunktion, der derzeit weder Schule noch Universität gerecht werden können. So verwundert es weiter nicht, dass immer wieder – aus den unterschiedlichsten Gründen – Personen aus allen Berufsschichten den Weg zur Bayerischen Botanischen Gesellschaft finden, unter ihnen auch immer mehr junge Menschen. Das Zusammenarbeiten von Fachbotanikern und Amateuren (Hobbybotanikern) ist anregend und fruchtbar für alle Beteiligten, ist die Stütze aller Aktivitäten der Gesellschaft und bildet die Grundlage für die zahlreichen Beiträge zur Floristik, zur Vegetationskunde und zur Kartierung.

Die Mitgliedschaft steht jedem botanisch Interessierten offen.

Auszüge aus dem Artikel „Hundert Jahre Bayerische Botanische Gesellschaft“ von W. Lippert, Gröbenzell, veröffentlicht in: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der heimischen Flora, Band 61, Jubiläumsband zum 100-jährigen Bestehen der Gesellschaft, München 1990, S. 27 – 52.